100 Prozent Memmingen

Ein dunkler Fleck

Wer derzeit nach einem Flutlichtfußballspiel des FC Memmingen oder einem Eishockeyheimspiel der „Indians“ entlang der Bodenseestraße nach Westen zur Einmündung an der Hühnerbergstraße gelangt, befindet sich unversehens an einer Gefahrenstelle.

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Wie viel darf die Verkehrssicherheit eines Bürgers kosten?

Oder etwas anders ausgedrückt: Was ist das Leben eines Verkehrsteilnehmers wert? Sicher sind sie auch der Meinung, dass Kosten für die Sicherheit unserer Bürger keine Rolle spielen dürfen. Und doch stellt sich diese Frage immer wieder. Ein Beispiel?

Südlich der Luitpoldstraße wohnen in den Bereichen der Gartenstraße und des Brühlwegs mehrere Memminger Bürger, deren Zahl zugegebenermaßen nicht mit anderen Straßenbereichen von Memmingen vergleichbar ist. Zudem haben dort auch drei Firmen ihren Standort, die täglich immer von Kunden bez. Passanten aufgesucht werden. Alle, Kunden wie Anwohner haben ein Problem: Sie müssen auf ihrem Weg in die Memminger Altstadt oder aus dieser kommend eine der am stärksten frequentierten Memminger Straßen überqueren. Um sicher über die besagte Luitpoldstraße zu gelangen, müssen die Fußgänger entweder bis zum Schanzmeister im Westen oder zum Übergang an der Bahnhofstraße im Osten gehen, gerade für die älteren Fußgänger ein nicht unerheblicher Umweg. Grotesk wird es geradezu, wenn zum Beispiel die gegenüberliegende Kempter Straße das nahe Ziel ist. Dort stehen z.B. die Wertstoffinseln für die genannten Anwohner!

Kempter StraßeAm 22.11.2007 wandte sich erstmals ein Anwohner der Gartenstraße schriftlich an die Stadt Memmingen mit der Bitte, die Möglichkeit einer Überquerungshilfe in Form einer kleinen Verkehrsinsel in der Fahrbahnmitte in Betracht zu ziehen.

Mit Datum vom 04.04.2008 teilte die Stadt Memmingen erstmals mit, dass der Verkehrsbeirat die Angelegenheit in seiner nächsten Sitzung behandelt und zunächst eine Verkehrszählung mit Geschwindigkeitsmessung erfolgen muss.

Nach mehr als einem Jahr monierte der Antragsteller am 13.05.2009, „dass er in seiner Angelegenheit nichts mehr gehört habe“ und fügt die Feststellung hinzu, dass der Verkehr in der Luitpoldstraße weiter zunimmt.

Exakt ein Jahr später am 07.05.2010 legte der Anlieger nochmals nach und betont, dass er den Verdacht habe, „dass seine Schreiben offenbar schlichtweg ignoriert“ werden. Nochmals bittet er darum, dass sein Anliegen durch die Stadt Memmingen geprüft wird.

Eine Woche später, am 22.05.2010 teilt Oberbürgermeister Dr. Holzinger u.a. mit, „dass nach den einschlägigen Richtlinien für Fußgängerüberwege hohe Anforderungen an die Höhe des durchschnittlichen täglichen Fußgängeraufkommens gestellt werden. Dieser Querungsbedarf ist an dieser Stelle nicht gegeben, da nur relativ wenige Passanten in diesem Bereich unterwegs sind“, so das Memminger Stadtoberhaupt in seinem ablehnenden Schreiben.

Ein bekannter Dichter hätte damals wohl geschrieben: Und wenn sich noch überfahren worden sind, dann leben sie noch heute! Der CRB will sich dieser Angelegenheit nochmals annehmen!

Heribert Guschewski

Stellvertretender Vorsitzender des CRB

CRB-Forderung: Tempo 30 in der Memminger Altstadt

Wer sich in den Jahren vor 2011 mit einem Fahrzeug in der Memminger Altstadt bewegte, musste schon sämtliche Konzentrationen aufbieten, um sich keiner „Verkehrsordnungswidrigkeit“, so das juristische Amtsdeutsch auszusetzen. Der Grund: Der gesamte Altstadtbereich war in Sachen Geschwindigkeitszonen sprichwörtlich ein „Fleckerlsteppich“. Im Angebot waren

  • Fußgängerzonen
  • Verkehrsberuhigte Zonen mit einer erlaubten Schrittgeschwindigkeit von 7 km/h
  • Ausgewiesene 20-km/h – Zonen
  • Restbereiche der Altstadt mit erlaubten 50-km/h Innerorts.

An kuriosen Situationen mangelte es wahrhaftig nicht. Wer zum Beispiel auf der Waldhornstraße in nördlicher Richtung fuhr, bewegte sich im gesetzlichen 50-km/h-Bereich. Beim Überqueren der Maximilianstraße fuhr er, wenn auch nur einige Meter, im dort gültigen 20-km/h-Bereich, ehe er dann in der Salzstraße in die verkehrsberuhigte Zone mit 7 km/h-Schrittgeschwindigkeit einfuhr. Dies bedeutete 3 verschiedene Geschwindigkeitsbereiche auf 10 m!

Um diese völlig unübersichtliche Verkehrssituation zu beseitigen, forderte der CRB die Ausweisung einer übersichtlichen flächendeckenden Geschwindigkeitsregelung mit 30 km/h. Davon blieben nur die bereits bestehenden Fußgänger- und verkehrsberuhigten Zonen unberührt. Somit sollten folgende Ziele und Veränderungen erreicht werden:

  • Übersichtliche Geschwindigkeitsregelung für alle, auch auswärtigen Verkehrsteilnehmer
  • Abbau des bestehenden „Schilderwaldes“
  • Verbesserung der innerstädtischen  Wohnqualität hinsichtlich Lärm- und Schadstoffbelastung
  • Senkung von Unfallgefahren bei jenen Straßen, wo die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h reduziert wurde
  • Förderung des Fußgänger- und Radfahrverkehrs.

Bei einigen Kommunalpolitikern in Memmingen stellte sich offenbar die Glaubensfrage, entweder einer flächendeckende 30 km/h-Lösung oder einer Regelung durch Verkehrszeichen mit 20 km/h zuzustimmen. Dabei hat sich die 30-km/h-Lösung in Deutschland seit vielen Jahren längst bewährt. Alleine in der Bundeshauptstadt Berlin gilt Tempo 30 bereits auf einem Drittel der Straßen! Verkehrsexperten bescheinigen einer Tempo – 30 Regelung, dass hier noch ein nötiger innerstädtischer Verkehrsfluss vorhanden ist, insbesondere im Bereich der Ausfallstraßen. 

Erfreulich war, dass der I. Senat des Memminger Stadtrats sich bei nur einer Gegenstimme auf Tempo 30 in unserer Altstadt einigte und dem CRB-Antrag somit zustimmte. Nach fast zwei Jahren dürften sich auch alle Vorbehalte und Ängste der damaligen Kritiker längst zerstreut haben.

 

Heribert Guschewski

Stellvertretender Vorsitzender des CRB

Brennpunkt Weinmarkt!

Brennpunkt WeinmarktGleich eines vorweg: KEINER kann es allen recht machen, so eine alte Weisheit. Diese Erkenntnis trifft wohl auch für die zukünftige Entscheidung des Memminger Stadtrats zum zentralen Verkehrspunkt in Memmingen, dem Weinmarkt zu! Bekanntlich muss das Memminger Stadtparlament sich mit der Frage auseinandersetzen, ob und wie am Weinmarkt nachgebessert werden muss. Fakt ist, dass die Gestaltung der einzigen Ost-West-Verbindung seit ihrer Eröffnung vor mehr als drei Jahren aus den Schlagzeilen nicht herauskommt. Auf einen Nenner gebracht: Zu viele Interessen, zu viele Forderungen, teilweise auch zu wenig Toleranz für eine einzige Straße! Fest steht aber, dass dieses innerstädtische Verkehrsproblem seit vielen Monaten auf eine auch nur annähernde Lösung wartet. Die Aussagen von Stadträten, „die Situation noch ein halbes oder gar ein Jahr zu beobachten“ kann nicht nachvollzogen werden. Von selbst wird sich der Brennpunkt Weinmarkt nicht lösen, eine Entscheidung ist längst überfällig!

Wer sich an dieses komplexe Thema wagt, kommt zunächst um eine Bestandsaufnahme nicht herum. Erst dann wird auch klar, was diesem zentralen Altstadtplatz eigentlich zugemutet wird: Fußgänger, Fahrradfahrer, Mofas und Motorräder, Personen- und Lastkraftwagen oder auch große Linienbusse befahren den Weinmarkt in beide Richtungen, Tag und Nacht. Es gibt Tage, an denen wurden nicht weniger als 12 000 Fahrzeuge am Memminger Brennpunkt gezählt wurden. Das Klientel reicht vom Durchgangsverkehr, Pendlern und Touristen, kauforientierten Kurzzeitparkern bis hin zur Gruppierung „sehen und gesehen werden“. Auf der anderen Seite erwarten die Besucher beiderseits des Weinmarktes zumutbare Verhältnisse, um hier ihren Espresso zu trinken. So wurden auch auf der Südseite des Platzes schon fassungslose Touristen gesehen, die der dicht vorbeifahrende Linienbus fast den Eisbecher vom Tisch fegte!

Brennpunkt WeinmarktDie Liste der Ärgernisse ist dementsprechend lang. Falschparker, insbesondere an der südlichen Seite bei den dort angesiedelten Geschäften zwingen Fußgänger, auf die eigentliche Fahrbahn hinauszutreten, untragbar vor allem für Kinder, Senioren und Behinderte. Oder die Art von Parkenden, die ihre Parkscheine oftmals für einen Einkauf oder die Zeiten für ihren Cafehausbesuch gleich mehrmals verlängern. Ständige Reibereien ereignen sich am Übergang zur Fußgängerzone oder auch an der Engstelle der Eichbrücke. Insbesondere die Wechselfußgänger fordern deshalb bis heute vehement eine Fußgängerampel für die genannte Stelle. Nicht unumstritten ist selbst der Busverkehr durch die Innenstadt. Gerade zur Mittagszeit ist zu beobachten, dass drei Linienbusse hintereinander an der Haltstelle in Richtung Westen stehen und sich der nachfolgende Pkw-Verkehr bis zum Hallhof zurückstaut. Noch unverständlicher wird die Angelegenheit, wenn der Bus mit dem angezeigten Fahrtziel „Trunkelsberg“ noch eine Ehrenrunde in Richtung Westen zieht, anstatt vom ZOB am Bahnhof abzufahren.

Brennpunkt WeinmarktEs stellt sich somit die Frage, wie soll es auf dem Weinmarkt weitergehen? Eine Grundsatzentscheidung muss sein, auf eine reine Fußgängerzone zu verzichten und den Verkehr zumindest in eine Richtung zuzulassen. Der aufmerksame Beobachter konnte bereits während der Sperrung des Weinmarktes bei den Umbauzeiten erkennen, dass der Weinmarkt und somit ein zentraler Ort in der Stadtmitte regelrecht tot erschien. Dieser Zustand kann nicht im Sicherheitssinne der in der Altstadt wohnenden Menschen sein! Auch die von einigen Zeitgenossen angesprochene zeitliche Verbannung des Fahrzeugverkehrs wie an Wochenenden oder nach Ladenschluss dürfte keine Perspektive sein, da die täglich auftretenden Ärgernisse durch eine derartige Lösung nicht beseitigt werden.

Eine kostengünstige, möglicherweise deshalb auch versuchsweise durchzuführende Gelegenheit wäre, eine Einbahnstraßenregelung mit Fahrtrichtung Westen einzuführen. Das Sperrschild wäre noch vor der Eichbrücke zu positionieren, so dass der Verkehr in Richtung „Klösterle“ und „Lindauer Straße“ weiter erfolgen könnte. Verkehrsteilnehmer mit Fahrtziel Osten könnten von diesen Straßen kommend über den Schrannenplatz ihr Ziel erreichen. Die Einbahnstraßenregelung könnte somit an der Einmündung zur Kuttelgasse beginnen und sich bis zur genannten Eichbrücke erstrecken.

Unberührt von dieser Regelung sollten am südlichen Fahrbahnrand des Weinmarktes bauliche Einrichtungen (Blumenkörbe oder ähnliches) aufgestellt werden, um das täglich hier stattfindende Falschparken bereits im Ansatz zu verhindern. Dies wäre neben den Passanten bestimmt auch im Sinne der dortigen Gastronomie.

Brennpunkt WeinmarktAuch der Busverkehr über den Weinmarkt sollte einer grundsätzlichen Prüfung unterzogen werden. Derartig große Fahrzeuge durch verkehrsberuhigte Zonen zu führen ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Eine alternative Lösung wäre sicherlich ein batteriebetriebener Elektro-Pendelbus. Der Einsatz solcher Fahrzeuge würde zu einer Verkehrsentlastung, einer Abgasreduzierung und auch zu einer erhöhten Einkaufsattraktivität in der Memminger Innenstadt führen. Technisch wäre dies längst umsetzbar, werden doch in anderen Städten Europas längst derartige Fahrzeuge mit einer täglichen Verwendungskapazität von 16 – 18 Stunden eingesetzt. Man darf gespannt sein, wie der Stadtrat in Sachen Weinmarkt entscheidet. Spannend wird es allemal!

Heribert Guschewski

Stellvertretender Vorsitzender des CRB