100 Prozent Memmingen

Radweg Memmingen-Ferthofen, eine wirklich unglaubliche Entstehungsgeschichte.

Radweg
Am 1. Mai 2013 wurde am besagten Feiertag der Radweg von Hart nach Volkratshofen offiziell durch den Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger eingeweiht. Damit wurde endlich der letzte Memminger Ortsteil für Radfahrer (und natürlich auch Fußgänger) an die Kernstadt angeschlossen. Zahlreiche Bürger nahmen an der Feier auf dem Volkratshofer Dorfplatz teil. Weitgehend unbekannt ist jedoch, dass diesem schönen Festakt eine über 30-jährige Posse voranging.

Nach der Eingemeindung von Volkratshofen im Jahre 1978 stellte zunächst die damalige SPD-Fraktion mit dem Verkehrsreferenten Stadtrat Karl Bitzenberger den gutgemeinten Antrag, alle Ortsteile an das Radwegnetz der Stadt Memmingen anzuschließen. Nach der Ausweisung von 48 neuen Bauplätzen in Volkratshofen und 14 Bauplätzen in Ferthofen wurde der Wunsch nach einem Radweg in die Stadt im westlichsten Ortsteil noch lauter. Deshalb stellte erneut die SPD-Fraktion 1981 einen weiteren Antrag zum geforderten Radwegbau, „so dass auch alle Schulen in Memmingen und in den Ortsteilen mit dem Rad erreichbar sein sollten“. Insbesondere wurde nochmals der Bau eines Radweges nach Volkratshofen und Ferthofen gefordert.

Nach vielen Jahren Stillstand forderten im Jahre 1987 die beiden FDP-Stadträte Walter Bock und Herbert Guschewski wieder den besagten Radwegbau. OB Dr. Holzinger beantwortete in einem Schreiben v. 16.06.1987 den Antrag der beiden Stadträte, „wonach bei einer Belastung von nur 4910 Kfz/pro Tag und 35 Radfahrern auf der B 18 der Bau eines Radweges vorerst nicht möglich ist“.

Zwei weitere Jahre später setzte die CRB-Fraktion am 1.8.1989 mit ihren Vorsitzenden Hermann Brader nochmals nach. Auch der ADAC Memmingen forderte am 28.01.1991, den Bau eines Radweges anzugehen, da sich die B 18 immer zu einem der großen Unfallschwerpunkte im Allgäu entwickelt hatte. Alleine im Jahre 1990 kamen auf der B 18 zwischen Hart und Ferthofen fünf Verkehrsteilnehmer ums Leben. In einem Artikel der „Memminger Zeitung“ vom 22.02.1992 wurde festgestellt, dass kein verkehrssicherer Weg für Radfahrer zum neuen Kindergarten besteht. In einer weiteren Pressenotiz der „M“ vom 26.06.1993 wurde durch den CRB nochmals deutlich gemacht, dass insbesondere zwischen Ferthofen und Volkratshofen ein Radweg zur Schule und zum Kindergarten dringend benötigt wird, „da beide Ortsteile in den Wintermonaten nicht durch einen Radweg miteinander verbunden sind und somit Radfahrer unbeleuchtete Waldbereiche und ungeräumte Wege benutzen müssen.

Als der ADAC Memmingen im Jahre 1994 nochmals in gleicher Sache nachlegte, teilte OB Dr. Holzinger in einem Schreiben vom 06.06.1994 mit, dass ein Radwegbau „am fehlenden Grunderwerb“ scheitern würde. In den darauffolgenden Jahren wurde die frühere Bundesstraße 18 in die Staatsstraße 2009 umgewandelt. Somit teilte OB Dr. Holzinger in einem Schreiben vom 16.03.2004 dem CRB-Stadtrat Wolfgang Courage sinngemäß mit, „dass Radfahrer zwischen Ferthofen und Volkratshofen die Tulpenbaumallee nutzen könnten, zudem nun das Straßenbauamt Neu-Ulm als Baulastträger“ für einen Radwegbau zuständig sei.

Der „Durchbruch“ in Sachen Radwegbau erfolgte ausgerechnet beim „Leserstammtisch“ der „MZ“ am 6.03.2006 in der Gaststätte „Bruckwirt“ in Ferthofen. Erneut begründete der anwesende Oberbürgermeister Dr. Holzinger, dass ein Radwegbau wegen des fehlenden Grunderwerbs nicht möglich wäre. Hierzu meinte der an diesem Abend anwesende Grundstückseigner Baron von Lupin doch sehr erstaunt, dass in den ganzen Jahren noch nie jemand mit ihm darüber geredet oder gar verhandelt hätte Das Erstaunen aller Anwesenden war gewaltig!

Erst jetzt kam Bewegung in die Angelegenheit, zudem sich der Grundstückseigner als sehr „zugänglich“ erwies. Bereits drei Jahre später konnte der erste Bauabschnitt zwischen Ferthofen und Volkratshofen fertiggestellt werden. Der zweite Bauabschnitt erfolgte im Jahre 2012 mit einer Baulänge von 3060 m zwischen Hart und Volkratshofen. Hierzu flossen übrigens staatliche Zuschüsse in einer Höhe von 350 000 Euro. Somit fand einer der längsten Anträge der jüngeren Memminger Stadtratsgeschichte nach 35 Jahren doch noch ein positives Ende, obwohl die ersten Antragsteller des Radweges „ihren“ Erfolg nicht mehr erlebten!

Heribert Guschewski