100 Prozent Memmingen

Ein aktuelles Beispiel von Bürgernähe.

Gerade beim gegenwärtigen Wahlkampf zur Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Memmingen ist viel von Bürgernähe, aber auch von einer guten Zusammenarbeit mit den Bürgerausschüssen in den Stadtteilen die Rede. Wie es um diese Punkte augenblicklich wirklich steht, zeigt ein Beispiel in diesen Tagen: Am Samstag, den 24. September 2016 erschien in der „Memminger Zeitung“ ein Artikel mit der Überschrift „Firma darf weiter Kies abbauen – Senat segnet Antrag der Steidele GmbH ab“.

Der erstaunte Bürgerausschuss Volkratshofen kontaktierte seinen Ortsreferenten im Stadtrat, der sich, da er kein Mitglied des Bausenates ist, sich selbst erst einmal über die Hintergründe und Faktenlage informieren musste! Es stellte sich heraus, dass nach dem erst in diesem Jahr erfolgten genehmigten Antrag zum Kiesabbau der Firma Hebel nun auch die Firma Steidele westlich der A 96 einen weiteren Kiesabbau auf Volkratshofer Flur vornimmt. Es kann nur als bedauerlich und nicht akzeptabel beschrieben werden, dass auf dem Gebiet des Stadtteils Volkratshofen großflächige Eingriffe in die Natur vorgenommen werden, ohne dass der betroffene Bürgerausschuss auch nur annähernd informiert oder kontaktiert wird. Die zurückliegenden Eingriffe und das nunmehr beschlossene Verfahren bedeuten für die Einwohner des Illerfeldes nicht mehr oder weniger, dass sie vom Hauptort nahezu abgetrennt werden und sich täglich durch eine Mondlandschaft „a la Darast“ bewegen müssen. Auch die Anwohner der Brunner Straße bez. der Illerfeldsiedlung werden eine deutliche Mehrbelastung durch Kies-Lkws zu spüren bekommen!

Noch ein weiterer Punkt erstaunt: Der nunmehr angestrebte Abbaubereich ist das älteste menschliche Siedlungsgebiet auf Memmingen Memminger Flur schlechthin. Nur 200 m vom nunmehr ausgewiesenen Abbaufeld befinden sich denkmalsgeschützte Gräber aus der Hallstadtzeit, nach Gutachten bestimmt auf den Zeitraum 700 – 800 Jahre vor Christus! Fakt ist: Dem II. Senat des Stadtrates dürfte dies nicht bekannt gewesen sein, und mit den Anwohnern vor Ort spricht ja keiner. Schöne Zustände!

 

Heribert Guschewski

Vorsitzender des CRB und Ortsteilreferent