100 Prozent Memmingen

Der Zahn der Zeit nagt an den Memminger Kriegsgräber.

Wer heuer am 8. September 2013 anlässlich des „Tag des Denkmals“ an einer der beiden durch die CRB-Stadträtin  Sabine Rogg geleiteten Führungen auf dem Memminger Waldfriedhof teilnahm, konnte sich vor Ort selbst ein Bild machen, dass sich das besuchte Gräberfeld von den im Kriege in Memmingen verstorbenen Zwangs- und Kriegsgefangenen in einem sehr schlechten baulichen Zustand befinden. Während die Anlagen durch die Stadtgärtnerei von Memmingen liebevoll bepflanzt wurden, stellen die Grabsteine fast schon eine Gefahr dar. Dickes Moos überzieht die teilweise schief stehenden Grabsteine, die völlig verwitterten Inschriften sind leider kaum noch lesbar.

Memminger Zeitung 1990Bei dem genannten Gräberfeld handelt es sich um eines von drei Ruhestätten von Kriegstoten aus dem I. und II. Weltkrieg. Der Großteil der Bestatteten besteht aus gefallenen Soldaten, insbesondere bei den schweren Luftangriffen auf Memmingen und Memmingerberg in den Jahren 1944 und 1945. Beim angesprochenen dritten Gräberfeld handelt es sich um die Ruhestätten zumeist von russischen und serbischen Kriegsgefangenen sowie sogenannten „Zwangsarbeiter“. Weitere Verstorbene aus dieser Zeitepoche, z.B. kriegsgefangene italienische Staatsangehörige wurden übrigens in den 50-iger Jahren auf einen Sammelfriedhof nach München umgebettet.

Im Jahre 1952 erließ die damalige Bundesregierung das „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, auch „Gräbergesetz“ genannt. Dieses Gesetz wurde durch die dritte Novelle vom 6. Dezember 2011 in die heute endgültige Fassung gebracht. So liegt die Zuständigkeit für die Erhaltung und die Pflege der Gräber der Kriegsopfer bei den Kommunen, während der Volksbund Deutsche Kriegsgräber e.V. für die Gräber der deutschen Gefallenen fast auf der ganzen Welt verstreut verantwortlich ist. Eine unglaubliche Aufgabe für den Volksbund, weiß doch kaum jemanden, dass deutsche Soldaten auf Friedhöfen weltweit auch in Amerika, Australien und Asien bestattet wurden!

Seit dem Kriegsende werden die Anlagen durch die Stadt Memmingen vorbildlich gepflegt. In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden die Grabkreuze in mehreren Aktionen durch die Stadt Memmingen und den Volksbund Deutsche Kriegsgräber immer wieder in Sonderaktionen gesäubert und instandgesetzt. So fand im Jahr 1990 unter der Leitung des damaligen Stadtrates Herbert Guschewski ein Jugendlager mit Angehörigen aus Frankreich sowie der neuen DDR-Partnerstadt Eisleben statt. Unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ stand nicht nur die Gräberpflege, sondern auch der Kontakt zwischen jungen Menschen im Vordergrund. 

Leider lassen sich derartige Unternehmungen in der heutigen Zeit in Memmingen nicht mehr realisieren, wurden die Jugendlichen doch damals noch in der inzwischen nicht mehr existenten Jugendherberge untergebracht und durch die längst aufgelöste Bundeswehreinheit in Memmingerberg (JaboG 34) mit Essen versorgt. Und nicht nur das. So stellte die Bundeswehr damals auch einen großen Bus zur Verfügung, weshalb mit den Jugendlichen auch Ausflüge in die Allgäuer Alpen und an den Bodensee unternommen werden konnten.

Es wäre schön, wenn entweder Mittel zur Verfügung gestellt oder Wege gefunden werden könnten, um an die damaligen Aktionen anzuschließen und die Gräber wieder in einen besseren Zustand gebracht werden könnten. Der CRB wird sich mit dafür einsetzen.

Heribert Guschewski

Stellvertretender Vorsitzender des CRB und Verantwortlicher des Volksbund Deutsche Kriegsgräber MM.