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Nachruf Karolina Bossinger

Karolina Bossinger (1933 - 2013)

Nachruf Karolina Bossinger

 * 06.03.1933   † 22.05.2013

Sehr geehrte Trauerfamilien

geehrte versammelte Trauergemeinde        

Fraktion, Vorstand und Mitglieder des Christlichen Rathausblock Memmingen haben sich eingefunden um Abschied von Karolina Bossinger zu nehmen. Den Nachruf, den ich für unsere verstorbene Fraktionskollegin halten darf, beginne ich mit einem Vers.  

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum, von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum, denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein, war Teil von unserem Leben.
Drum wird dieses Blatt allein, uns immer wieder fehlen.

 

Karolina Bossinger ist am 15.Dezember 1983 als Mitglied in den Christlichen Rathausblock aufgenommen worden. Ihre christliche Auffassung, ihre intensive soziale Einstellung, ihr unablässiges Wirken für die Schwächeren in unserer Gesellschaft, ihr Drängen nach Verbesserungen für hilfsbedürftige Menschen waren Gründe, die sie seinerzeit zum Eintritt in den CRB veranlasst haben.

 

Bei der Kommunalwahl im März 1984 wurde Karolina mit einem überaus klaren Wählerauftrag als Stadträtin ins Rathaus entsandt. Diesen Wählerauftrag hat sie mit deutlichen Worten und Taten umgesetzt. Ihr Referat hat sie dank ihres hohen Sachverstandes und persönlichen Einsatzes in besonderer Weise ausgefüllt. Beharrlich hat sich Karolina für benachteiligte Menschen eingesetzt. Das nötige Rüstzeug für ihre Stadtratstätigkeit brachte sie mit. Denn über die Grenzen unserer Stadt hinaus war Karolina bekannt für ihre uneigennützige Arbeit für schwerkranke, alte, behinderte oder suizidgefährdete Menschen.

Ihr Einsatz galt auch alleinerziehenden oder Gastarbeitern. Die Kraft für ihre aufopfernde Arbeit holte sie sich aus dem Gebet, für sie war das Gebet wie „ der Schlüssel des Morgens und der Riegel des Abends“

Viele der heute Anwesenden erinnern sich noch an ihr öffentliches Wirken, als sie zum Beispiel Lebensmittelgaben an Bedürftige auf dem Marktplatz verteilte. Auch innerhalb der von ihr gegründeten ehrenamtlichen Sozialhilfeorganisation betreute sie ambulant bis zu 100 alte und kranke Menschen in deren Zuhause.

Suchen wir in ihrem vielfältigen Wirken so finden wir im Verlauf ihres Lebens nachschlagbare Schlagzeilen, die das Bild dieses unermüdlich helfenden Menschen zeichnen. Nur 7 Zeilen will ich herausgreifen:

  • Marktfrau und Samariterin
  • Engel unserer Zeit
  • Unermüdliche Kämpferin
  • Sprudel der Phantasie
  • Beschützerin misshandelter Frauen
  • Christliche Mahnerin
  • Politikerin der großen Taten und der kleinen Worte 

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande war äußeres Zeichen des Respekts unserer Gesellschaft für ihr unermüdliches soziales Wirken. Während der dankenswert langen Jahre ihrer kommunalpolitischen und gesellschaftlichen Tätigkeiten war immer wirklich gute Zusammenarbeit mit Karolina möglich, dafür danken wir.

Dag Hammarskjöld, der 1961 ums Leben gekommene Politiker, der auch aus starker christlicher Überzeugung heraus lebte, hat uns den Satz hinterlassen:

„So dich aber nichts mehr zu trösten vermag denn Gott,
 .... so tröstet er dich auch.“

Nichts fällt uns im Leben so schwer wie das endgültige Abschied-nehmen von einem Menschen, den wir kennen und schätzen gelernt haben, mit dem wir ein Stück des Lebens gemeinsam gegangen sind, dem wir uns persönlich verbunden gefühlt haben. Wir alle, die wir unsere Verstorbene kannten, können deren Lebensideale nur bewundern. Ihr sozial engagiertes Leben umfassend zu beleuchten wäre abendfüllend.

Schließen will ich mit einigen Zeilen aus dem Lied „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer

Wir waren verschwor’n,
wär'n fast füreinander gestorben,
hab’n den Regen gebogen,
uns Vertrauen geliehn.

Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet,
hast Verdruss ins Gegenteil verkehrt.
immer bescheiden – deine sanftmütige Güte,
deine unbändige Kraft … Das Leben ist nicht fair.

Wir gehen nicht weg, haben unsere Frist verlängert.
Neue Zeitreise, offene Welt.
Haben dich sicher in unserer Seele.
Tragen Dich bei uns, bis unser Vorhang fällt.

Der CRB trauert um einen einzigartigen Menschen, wir werden Dich in Ehren und guter Erinnerung behalten und ich sage „Lebe wohl“ denn Du wirst in unseren Gedanken weiterleben.

Als Zeichen unseres Mitgefühls hat der CRB dem Sinne unserer Verstorbenen entsprochen und statt Grabschmuck eine Spende dem Sankt Elisabeth Hospizverein Memmingen zukommen lassen.

Wolfgang Courage

Fraktionsvorsitzender