100 Prozent Memmingen

CRB Neujahrsempfang 2017 Helmuth Barth

Liebe Mitglieder und Freunde des CRB

meine Damen und Herren,

auch ich schließe mich gerne den guten Wünschen für ein gutes neues Jahr an. Ganz besonders wünsche ich Ihnen Gesundheit, wie uns erst vor einigen Tagen vor Augen geführt wurde, das wirklich Wichtigste was wir alle brauchen können.

Weil Gesundheit für uns alle so wichtig ist berichte ich auch heute über unser Memminger-Klinikum. Unser Klinikum ist die zweitgrößte Klinik unter einem Dach in Schwaben und gewährleistet mit ihren zwölf Hauptabteilungen und einer Reihe weiterer hochrangiger medizinischer Angebote eine bestmögliche Versorgung unserer Patienten. Dass Patienten im Klinikum dank der medizinischen Leistungen und hervorragender Pflege möglichst schnell gesund werden, dafür arbeiten 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Chefärzte und Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, von der Verwaltung und Wirtschaftsbetrieben, rund um die Uhr.

Damit dieses Haus auch weiterhin den höchsten Ansprüchen gerecht wird, ist es wichtig in die Zukunft zu investieren. Die Patienten kommen nach MM wegen der sehr guten Medizin und Pflege die im Klinikum erbracht wird. Ein Meilenstein ist dabei der erweiterte OP-Trakt der dringend in Angriff genommen werden muss. Verbunden damit ist auch, die von uns immer wieder geforderte Änderung der Eingangssituation.

Wie aus den Medien in der letzten Woche entnommen werden konnte, hat sich das Klinikum Memmingen entschlossen, die Ausbildung für Hebammen durchzuführen. Dies besonders wegen fehlendem Angebot an Personal. Da es inzwischen zu einer sehr starken Steigerung der Geburten in Memmingen kommt, ist die Personalfrage dringender denn je zu lösen. Wir sind der Meinung, wenn die Hebammen hier ausgebildet werden, bleiben Sie auch am Ort, da Sie das Umfeld schon kennen. Ein sehr guter Ansatz.

Das führt mich zu einem weiteren Thema, nämlich eine Hochschule in Memmingen. Viele Assistenzberufe im medizinischen Bereich, unter anderem auch Physiotherapie, werden inzwischen als Studium angeboten. Es stellt sich die Frage: Warum etabliert sich Memmingen nicht in diesem Bereich? Hier ist noch großer Nachholbedarf vorhanden und wir konkurrieren nicht mit anderen Hochschulen in der Nähe. Es ergäbe sich eine Win-Win Situation.

Nun zur Kooperation mit den Unterallgäuer Krankenhäuser.

Unser Klinikum hat in den vergangenen Jahren eine positive Leistungsentwicklung genommen, die jedoch nicht zu einer Ergebnisverbesserung führte. Um sich langfristig am Markt zu positionieren, sollte sich unsere gesamte Region gegenüber neuen Wettbewerbern absichern und in eine neue, patientennahe medizinische Struktur investieren. Die Bereitschaft zu dieser strukturellen Veränderung ist jedoch nicht bei allen Beteiligten vollumfänglich vorhanden. Die drei Kliniken stehen sich zunehmend im Wettbewerb gegenüber, aber ebenso privaten Anbietern und anderen öffentlichen Kliniken angrenzender Landkreise. Wobei insbesondere private geführte Kliniken immer mehr in der Kritik stehen, da diese die Beschäftigten, Ärzte wie medizinisches Personal, auspressen wie eine Zitrone. Deshalb kann eine Privatisierung, wie diese der Landrat immer wiedermal als Warnung darstellt, nicht sinnvoll sein.

Bei den gemeinsamen Gesprächen muss zuerst vertiefend geklärt werden, ob eine Fusion der richtige Weg ist, oder ob es auch andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit geben kann. Uns muss auch klar sein, dass nach der Fusion erstmals Stillstand eintritt.

Der Druck gegenüber anderen Wettbewerbern in der Region wächst. Mit den Sana - Kliniken Biberach und den Kliniken Kempten – Oberallgäu befinden sich starke Konkurrenten in der Region. Ein gemeinsames Klinikum Memmingen mit von Memmingen geführten weiteren Häusern wäre insbesondere gegen weitere Konkurrenten ein Meilenstein.

Eine Fusion kann bekanntlich nur dann erfolgreich sein, wenn ein zwischen den Fusionspartnern abgestimmtes medizinisches Konzept erstellt wird. Dabei muss das Ziel sein, ein wohnortnahes Angebot, mit klar erkennbarem Leistungsspektrum an den einzelnen Standorten für Patienten und Einweiser anzubieten. Deshalb muss zuerst die Kernfrage gelöst werden, welche medizinischen Fachabteilungen sollen weiterhin an welchem Ort vorgehalten werden?

Das heißt, alle Mehrfachvorhaltungen müssen auf den Prüfstand. In unserem Falle sind das

  • Allgemein und viszeral - Chirurgie
  • Innere Medizin
  • Unfall - Chirurgie und Orthopädie
  • Intensiv- und Schmerztherapie

die derzeit an allen 3 Standorten vorgehalten werden.

Aus unserer Sicht könnten wir uns vorstellen

  • Die Konzentration von Allgemein- und Unfallchirurgie sowie der Ausbau der Thoraxchirurgie am Standort Memmingen. Diese Patienten werden in MM behandelt, als Anlaufstelle bleibt Ottobeuren und MN.
  • Ausbau der Orthopädie und Rückenmedizin am Standort Ottobeuren, mit attraktiven Anlaufstellen in Memmingen und Mindelheim.
  • Zentrale Organisation durch das Klinikum Memmingen
  • Standort übergreifende medizinische Zentren mit einer symptombezogenen Betreuung der Patienten (z.B. Wirbelsäulen-Gelenk-Zentrum, Herz-Gefäßzentrum

Dadurch ist die Präsenz der medizinischen Versorgung für jeden Patient durch wohnortnahe Anlaufstellen gewährleistet, bei gleichzeitigen Spezialisierungen ausgewählter medizinischer Bereiche.

Nach der Umsetzung des Medizinkonzeptes treten die Standorte Memmingen, Mindelheim und Ottobeuren zukünftig gemeinsam auf, mit klar erkennbaren Zentren und Schwerpunktabteilungen. Wenn nicht so viel politisches Kirchturmdenken herrschen würde könnten die Klinken längst besser aufeinander abgestimmt sein und unterschiedliche medizinische Schwerpunkte bilden.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren kommt es nicht nur zur Generierung von Mehrerlösen, sondern auch zur Kostenreduktion. Es kommt zum Abbau doppelter Vorhaltungen, durch Zentrumsbildung zu einer erhöhten Effizienz und durch Synergieeffekte auch zu Verbesserungen in der Verwaltung. Das vorhanden sein zweier Geschäftsführer wird anfänglich nicht zu umgehen sein, sollte jedoch zu einem späteren Zeitpunkt auf einen für alle Häuser zuständigen Alleinverantwortlichen hinauslaufen, der am Klinikum Memmingen vor Ort ist. Ebenso ist bei den Chefärzten zu verfahren.

Kritik ist aus unserer Sicht angebracht, mit welcher Häufung der Landkreis derzeitig Chefärzte etabliert. Dieses Vorgehen zeugt nicht von großem Willen zu den anstehenden Gemeinsamkeiten. Diese fehlen auch leider bei den Kreiskliniken. MM unterstützt derzeit beide Häuser mit Ärzten erster Güte. Wenn jedoch dann eine Operation verbunden mit einer Verlegung anstehen, wird nicht nach MM sondern nach Augsburg verlegt. Das nennt man dann Zusammenarbeit!

Bei einer anstehenden Fusion stehen auch immer sogenannte Vergleichszahlen im Raum.

MM                                         UAL

Betten                                      500                                          334

Mitarbeiter                                1 500                                       713

Fälle     stationär                       24 500                                      14 216

            ambulant                      59 000                                      28 617

Defizit 2015                              1,8 Mill. Euro                           1,79 Mill. Euro

Hauptabteilungen                      12                                            8

Die angeführte Aufstellung ist angeblich für den Landkreis nicht vergleichbar, obwohl alleine schon die Zahlen für sich sprechen.

Memmingen ist und bleibt das Haus mit der Versorgungsstufe II, daran ändert sich auch nichts wenn der Landkreis seine beiden Häuser zusammenlegt. Die Krankenhäuser des Landkreises erreichen nicht annähernd die erforderliche Größe, sie sind Grundversorger und bleiben das auch.

Dies ist der Grund, weswegen wir weiterhin bei unserer Forderung bleiben: 

eine      50 : 50 Parität kann es nicht geben, kann für uns auch keine Verhandlungsgrundlage sein.

Liebe Freunde des CRB. Wir sehen unser Klinikum ist sehr gut aufgestellt und es kann sich im weiten Umkreis sehen lassen. Der Landkreis wäre gut beraten, von seinen hohen Ansprüchen abzusteigen und der Realität ins Auge zu schauen.

Mit Zuversicht und Engagement starten wir der CRB  zusammen mit dem Klinikum ins neue Jahr,
„ Für die Menschen in unserer Stadt“

Memmingen, 09. Januar 2017
StR Helmuth Barth
für die CRB-Fraktion