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Antrag auf Information des Stadtrats zur Sanierung Welfenhaus 28.07.2014

Memmingen, 28. Juli 2014

Antrag auf Information des Stadtrats zur Sanierung Welfenhaus


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,


in der Prioritätenliste zum Haushalt 2013 wurde unter Titel 2.8 "Welfenhaus neue Fenster" ein geschätzter Finanzbetrag von 500.000 Euro angesetzt. Die Maßnahme wurde seinerzeit nur angesprochen aber nicht vertieft verfolgt.
Im Haushalt 2014 ist unter Titel 0/06/0610 9412 unter demselben Namen die Summe von 670.000 Euro eingestellt. In der mündlichen Erläuterung wurde zu der Erhöhung des Betrags mitgeteilt, dass der Einbau der Brandmeldeanlage die Kostensteigerung verursachen würde. Was bis heute dem Stadtrat allerdings nicht vorgestellt wurde ist die Sinnhaftigkeit der Einzelmaßnahme "Fenster erneuern". Dazu folgende vereinfachte Erläuterung zum Thema Fenster auswechseln, Grundlage unseres Antrags.


Bestandszustand: Alte Fenster haben im Winter eine Temperatur auf der Innenseite von ungefähr 10°C oder etwas weniger. Es entsteht Tauwasser (sog. Kondensat, die Scheiben “beschlagen”). Das ist in der Regel unproblematisch, weil das Tauwasser an der Scheibe nach unten fließt und sich schlimmstenfalls auf der Fensterbank als kleine Pfütze sammelt. Das Wasser wird erfahrungsgemäß von den Nutzern ab und zu weggewischt – das Thema ist erledigt.

Ungedämmte Altbauwände - und die Wände des Welfenhauses gehören zum Bereich Altbau - haben eine etwas bessere Dämmwirkung als alte Fenster. Die Oberflächentemperatur der Wände liegt auf der Innenseite dadurch höher als an den Fenstern. Allerdings ist in verschiedenen Bereichen wie z.B. Ecken eine niedrigere Temperatur festzustellen, aufgrund von Wärmebrücken. Ergebnis: Es kommt zu erhöhter Feuchte in den Bereichen der Fensteroberflächen und der Wärmebrücken.

Auf den bisher nicht gedämmten Außenwänden des Gebäudes ist die Bildung von Tauwasser derzeit gering, weil selbst die kalte Oberfläche der Zimmerecken gerade noch über der Taupunkttemperatur liegt. Die Raumluft muss zwar u.U. auf bis zu ca. 23°C erwärmt werden, damit sich Raumnutzer trotz der kalten Flächen die sie umgeben, noch wohl fühlen. Bis auf überhöhten Heizenergieaufwand ist die Sache soweit noch in Ordnung.

Jetzt werden neue Fenster eingebaut. Neue Fenster haben wegen ihrer – im Vergleich zu alten Fenstern – guten Dämmwirkung auf der Innenseite eine höhere Oberflächentemperatur als die Außenwände die nicht gedämmt sind. Im Raum wird es wegen dieser warmen Flächen behaglicher, die Raumtemperatur kann auf z.B. 21 °C gesenkt werden. Das ist mit dem Einbau neuer Fenster ja auch beabsichtigt.

Zu Beachten ist nun folgendes: Kühlere Raumluft nimmt weniger Wasser auf, die Luftfeuchtigkeit steigt im Raum etwas an. Die Oberflächentemperatur der Wand fällt etwas, in den Ecken besonders. Dort wird der Taupunkt als erstes unterschritten. Die Konsequenz: Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es Schimmel auf den Wänden. Als Folge wird u.a. in der Regel öfter und kräftiger gelüftet, eine wenig wirksame Methode, denn die Luft wird zeitweise (besonders im Winter) etwas trockener, die Wandoberflächen werden aber nicht wärmer, ganz im Gegenteil. Diese kühlen weiter aus, es kann zu noch mehr Schimmelbildung kommen. (Wir verweisen hier auf die besondere Sorgfaltspflicht als Arbeitgeber hinsichtlich der Einhaltung der Arbeitsstättenrichtlinien und dem Gesundheitsschutz.)

Deshalb gehört zu neuen Fenstern eine Fassadendämmung oder Innendämmung, auf jeden Fall jedoch eine weitere adäquate Möglichkeit zur Vermeidung von Schimmelbildung. Mit einer Fassadendämmung kann die Oberflächentemperatur der Außenwand auf der Innenseite auf bis zu 19°C angehoben werden. Es kann kein Tauwasser mehr entstehen und damit auch kein Schimmel. Fazit: Wenn neue Fenster eingebaut werden und danach die Wände schimmeln, sind nicht die neuen Fenster Schuld. Und erst recht nicht Nutzer, die angeblich zu wenig lüften. Deshalb gehört beim Einbau neuer Fenster im Sanierungsfall immer auch eine weitere, insbesondere im Altstadtbereich auch unter Denkmalpflegerischen Gesichtspunkten abgestimmte, Maßnahme.

Unter Berücksichtigung oben aufgeführter Beschreibung beantragt die CRB-Fraktion einen Sachstandsbericht folgenden Inhalts:

a) der energetische und bauphysikalische IST-Zustand des Welfenhauses ist vorzustellend. (U-Werte Fenster, Außenwände, EG-Decke gegen kalten Keller, OG-Decke gegen Außenluft, Energiebedarfskennwerte)
b) der energetische und bauphysikalische Zustand nach der geplanten Variante "Fensteraustausch" ist darzustellen. (U-Werte Fenster, Außenwände, EG-Decke gegen kalten Keller, OG-Decke gegen Außenluft, Energiebedarfskennwerte, Wirtschaftlichkeit), inklusive einer bauphysikalischen Berechnung von Oberflächentemperaturen an den Wärmebrücken,
Ferner, falls notwendig, eine instationäre Feuchteberechnung der Wände im Altbaubereich zur Sicherung von Mauerwerk.
c) in einer weiteren Variante ist der energetische und bauphysikalische Zustand für "Wärmedämmverbundsystem und Fenstertausch" darzustellen. (U-Werte Fenster, Außenwände, EG-Decke gegen kalten Keller, OG-Decke gegen Außenluft, Energiebedarfskennwerte, Wirtschaftlichkeit), Beispielhaft könnte auch eine andere adäquate Dämmmaßnahme aufgezeigt werden.

Wegen der Dringlichkeit der Maßnahme wird um Sachstandsbericht zum Plenum am 06.10.2014 gebeten.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Courage CRB Fraktionsvorsitzender